Mittwoch, 31. Oktober 2012

Dienstag, 30. Oktober 2012

Funkkolleg Wirklichkeit 2.0

Kommenden Samstag (03.11.2012) startet der vielversprechende hr2 Funkkolleg Medien mit dem (für uns unmittelbar einschlägigen) Thema "Wirklichkeit 2.0 - Medienkultur im digitalen Zeitalter". Ausgestrahlt werden die Sendungen auf hr2-kultur jeweils samstags um 11:30 Uhr und nochmals auf hr-iNFO jeweils sonntags um 8:30 Uhr. Den Podcast der Sendungen gibt es auf www.funkkolleg.de. Auf der begleitenden Website erhält man alle weiterführenden Informationen (z.B. zu den Themen und Sendungen) und kann sich für den offenen Online-Kurs anmelden.

Das Begleitbuch, ein klassischer Reader angelsächsischer Prägung, mit kurzen Texten zu den vielen Themen, die in den nächsten Wochen im Rahmen des Funkkollegs behandelt werden, ist bereits bei Reclam erschienen:


Heute abend findet im Haus am Dom in Frankfurt/Main die Auftaktveranstaltung statt mit dem Titel “Digitale Demokratie – Wie politisch ist das Internet?”. Es diskutieren Markus Beckedahl (netzpolitischer Aktivist aus Berlin und Begründer des Blogs netzpolitik.org, Autor von ”Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage”), Anke Domscheit-Berg (Mitbegründerin des Government 2.0 Netzwerks) und Prof. Dr. Claus Leggewie (Politologe und Autor von “Mut statt ‘Wut - Aufbruch in eine neue Demokratie” sowie “Unter Piraten - Erkundungen in einer neuen politischen Arena”).

   

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Unterrichtsmaterial für sicheres Chatten

Der tragische Fall von Amanda Todd (Wikipedia, YouTube) hat einmal mehr die Gefahren beim Chatten in Erinnerung gerufen, die wir an dieser Stelle unter den Stichworten Cybermobbing und Cybergrooming mehrfach besprochen haben. Neben den hier bereits vorgestellten Online-Hilfeseiten stellt auch die Website "Chatten ohne Risiko" Informationen zur Verfügung, um diesen Gefahren zu begegnen. Neu auf der Website sind Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte...

Montag, 22. Oktober 2012

Hilfe bei Internet- bzw. Computersucht

Als regelmäßiger Zeitungsleser - darauf habe ich wiederholt hingewiesen - kann man gar nicht anders, als sich vor dem Web (2.0) zu fürchten. Wenn es um Web-Themen geht, dann praktisch durchgängig (gefühlt 110%) um Gefahren und Bedrohungen. So auch am vergangenen Samstag in der Stuttgarter Zeitung. Dieses Mal war es nicht Cybermobbing oder "Google ist böse" (wie in der aktuellen Spiegel-Ausgabe), sondern es ging um "Computersucht". Der Artikel "Wenn die Kinder ins Netz abtauchen" von Mathias Bury weist - und das ist der Grund für diesen Beitrag - auf zwei Informations- und Hilfsangebote hin, die unsere Sammlung entsprechender Projekte sinnvoll ergänzt:

Die Drogenberatungsstelle Release unterhält mit www.release-netzpause.de eine eigene Website zu diesem Thema, die sich in je eigenen Rubriken an Jugendliche, Eltern (bzw. Angehörige) und LehrerInnen (bzw. Multiplikatoren) richtet. Außerdem weist der Artikel auf das Projekt "Medien vernünftig nutzen" des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Baden-Württemberg hin. Dort kann man sich eine Broschüre mit Kontaktadressen herunterladen.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Guter Aufsatz zur Urheberrechtsdebatte

Zu den am meisten (und leider etwas zu hitzig) diskutierten Themen der "Netzpolitik" zählt das Urheberrecht, weswegen wir an dieser Stelle immer wieder zu dieser Thematik gepostet haben. Wer sich in vertretbarer Zeit einen ausgewogenen Überblick über diese Debatte verschaffen will, dem sei der hervorragende Aufsatz von Anne Lauber-Rönsberg in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ) empfohlen: "Raubkopierer und Content-Mafia: Die Debatte um das Urheberrecht". Ein kleiner Appetithappen:
"Die aktuelle Debatte dreht sich im Kern darum, wie umfangreich die Rechte der Urheber ausgestaltet sein müssen, damit das Urheberrecht seine Anreiz- und Belohnungsfunktion optimal erfüllen kann, und in welchem Ausmaß das Urheberrecht zugunsten der Nutzer eingeschränkt werden sollte. Dabei ist es sicherlich nicht zutreffend, dass ein besonders starkes Urheberrecht zwangsläufig zu mehr Kreativität und Innovation führt. Während ein zu starker Schutz neuem kreativem Schaffen im Wege steht und damit zu Innovationsblockaden führt, übt ein zu schwacher Schutz eine zu geringe Anreizfunktion aus. Die zentrale Frage ist also, wie im gesamtgesellschaftlichen Interesse ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Rechtsinhaber- und Nutzerinteressen erreicht wird."

Dienstag, 16. Oktober 2012

Wikipedia in der Schule

Der folgende Beitrag skizziert zum einen eine Unterrichtseinheit zum Thema Wikipedia, um die Schüler für einen sinnvollen Umgang mit der Online-Enzyklopädie zu sensibilisieren, zum anderen soll er Lehrern/innen (im Folgenden wird zur Vereinfachung von „Lehrern“ gesprochen) Anstöße geben, wie sie ihren Unterricht zum Thema Wikipedia gestalten können. Es soll gezeigt werden, dass man durchaus mit Wikipedia im Unterricht arbeiten kann und dass Wikipedia mehr ist als ein „monströser Spickzettel“ (Spiegel Online zum Thema Wikipedia im Unterricht).

Das Web 2.0 hat die Suche nach Informationen revolutioniert. Früher musste man in Büchern und Lexika nachschlagen und heute googelt man. In vielen Fällen verweist Google einen dann zu Wikipedia. Bereits Schüler/innen (im Folgenden wird zur Vereinfachung von „Schülern“ gesprochen) der unteren Jahrgangsstufen nutzen Wikipedia als Informationsquelle. Doch wissen die Schüler überhaupt, was Wikipedia ist? Die meisten von ihnen werden den Begriff Online-Enzyklopädie schon einmal gehört haben. Aber wissen sie, wie die Artikel zustandekommen, dass diese aktualisiert werden können (und müssen), um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, dass man darauf achten muss, wie seriös bzw. korrekt die Informationen sind, die uns Wikipedia liefert, und dass man der Wikipedia nicht blind vertrauen darf (vgl. Spiegel Online zum Thema Wikipedia im Unterricht)?

Immerhin steht Wikipedia an dritter Stelle, was die Informationssuche im Netz angeht, und wird von 37 Prozent der Jugendlichen mehrmals pro Woche aufgesucht, wie die JIM-Studie 2011 zeigt.
Um den Schülern den richtigen Umgang mit Wikipedia näher zu bringen, ist es also durchaus notwendig, eine entsprechende Unterrichtseinheit durchzuführen. Dies soll jedoch nicht durch lehrerzentrierten Unterricht erfolgen, sondern durch die praktische Arbeit mit Wikipedia.

Folgende Lernziele sollen dabei erreicht werden: Die Schüler sollen lernen, dass
  • Wikipedia als Einstiegsquelle in ein Thema bestens geeignet ist,
  • man neben Wikipedia weitere Quellen nutzen sollte bzw. muss,
  • man Wikipedia nicht blind vertrauen darf,
  • manche Artikel verbesserungswürdig sind.
Zur Umsetzung und zum Erreichen dieser Lernziele ist eine Gruppenarbeit besonders geeignet, bei der die Schüler ihre Informationen selbständig einholen. Die Schüler können dabei voneinander profitieren, da die weniger Erfahrenen, was Online-Recherche angeht, von denjenigen profitieren können, die sich damit schon besser auskennen. Die Klasse wird dafür in 4 bis 5 Gruppen (je nach Klassengröße) aufgeteilt, und jede Gruppe bearbeitet ein eigenes Thema.

Die Gruppenarbeit besteht nun aus drei Teilen. Im ersten Teil soll das Thema erarbeitet werden, im zweiten Teil geht es um die Reflexion der Recherche, der dritte Schritt wird sein, eine Art Mindmap für den Umgang mit Wikipedia zu gestalten. 

Teil 1:
Hierbei geht es schlicht um die Erarbeitung des Themas mit anschließender Präsentation. Es steht den Schülern frei, ob sie es per Vortrag mit Folien, anhand einer Powerpoint-Präsentation oder auf einem Poster mit detaillierten Quellenangaben präsentieren. Für das Fach Gemeinschaftskunde/Politik in der Sekundarstufe 1 kämen dabei beispielsweise folgende Themen in Frage:
  • Das Wahlsystem des Bundestags und seine Aufgaben
  • Die Wahl der Verfassungsrichter und die Aufgaben des Bundesverfassungsgericht
  • Die Wahl des Bundespräsidenten und seine Aufgaben
  • Der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung Deutschland
  • Die Finanzkrise in der EU
  • etc.
Es muss dann natürlich eine genaue Fragestellung erfolgen, damit die Schüler wissen, welche Punkte ihres Themas relevant sind. Beim Thema Bundestag könnte man bspw. nach seinem Aufbau, nach seinen Aufgaben, nach der Arbeitsweise des Parlaments oder nach dessen Wahlsystem fragen.

Für die Bearbeitung dieser Themen darf allerdings nicht ausschließlich Wikipedia verwendet werden. Vorgabe ist es, dass neben Wikipedia mit mindestens zwei weiteren Quellen gearbeitet wird – eine davon muss in gedruckter Form vorliegen. Die Nutzung weiterer Quellen – seien sie online oder offline – ist natürlich möglich. Teil der Aufgabe ist es, sich widersprechende Informationen – sofern die Schüler bei ihrer Recherche solche finden sollten – in ihrer Präsentation zu erwähnen und nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Die Recherche-Arbeit wird nicht zu Hause, sondern ausschließlich im Computerraum der Schule und in der Schulbibliothek stattfinden. Die Ausarbeitung der Präsentationen erfolgt als Hausaufgabe. Dabei müssen die Schüler unter sich ausmachen, wer welchen Teil der Arbeit übernimmt.

Es geht dabei also zunächst einmal um das allgemeine Recherchieren zu einem bestimmten Thema oder Sachverhalt.
„Wikipedia ist oft Start einer Recherche. Um das zu nutzen und zu erweitern, sollen Schülerinnen und Schüler zu einem Thema in der Wikipedia recherchieren. In einem zweiten Schritt sollen sie Informationen finden (online und offline), die im Wikipedia-Artikel noch nicht enthalten sind. Hierbei lernen die Schülerinnen und Schüler Alternativen zu Wikipedia kennen, indem sie beispielsweise Internetsuchmaschinen und bibliothekarisch gepflegte Kataloge nutzen“ (Klicksafe - Wie setzt man Wikipedia im Unterricht ein?).

In den meisten Fällen kommen die Schüler gar nicht erst über den ersten Schritt hinaus und vergleichen Wikipedia mit anderen Quellen.
„Wenige Schüler wissen, dass praktisch jeder Einträge bearbeiten oder gar neu hinzufügen kann. Viele Schüler halten Wikipedia für ein Unternehmen, das Profi-Schreiber beschäftigt. Aus dem Irrglauben folgt oft grenzenloses Vertrauen. "Ich übernehme die Fakten, schreibe das aber um, damit der Stil nicht auffällt", erklärt der 17-jährige Toran - "das heißt, ich muss den Stil verschlechtern" (Spiegel Online zum Thema Wikipedia im Unterricht).
Hierzu noch ein interessanter Beitrag über die Korrektheit von Wikipedia-Artikeln: SF VideoPortal - Wikipedia-Gründer erhält den Gottlieb-Duttweiler-Preis

Bringt man die Schüler dazu, dass sie erkennen, welchem Irrglauben sie bislang aufgesessen sind, wenn sie mit Wikipedia gearbeitet haben, hat man als Lehrer bereits viel erreicht. Doch dies ist nur der erste Schritt.

Nachdem sich die Schüler nun anhand Wikipedia einen ersten groben Überblick über ihr Thema verschafft haben, soll es im weiteren Verlauf darum gehen, mit weiteren Quellen wie Bibliothekskatalogen, Suchmaschinen oder anderen Offline- und Online-Diensten ihr Thema zu vertiefen (vgl. Stöcklin 2010, S. 64 f.).
Doch was heißt vertiefen? Es gibt natürlich unterschiedliche Erkenntnisse, die bei der Arbeit mit weiteren Quellen entstehen können. Die Informationen können mit denen von Wikipedia übereinstimmen, können sie ergänzen oder können ihnen völlig oder teilweise widersprechen. Im Hinblick auf die Lernziele wäre es natürlich am Besten, wenn die Ergebnisse der vertiefenden Recherche nicht mit dem Recherchierten von Wikipedia übereinstimmen. Dann kommt bei den Schülern nämlich die Frage auf, warum die Informationen nicht übereinstimmen, oder es passt ihnen nicht, dass ihre Recherche nun komplizierter wird, als zunächst angenommen, weil man einander widersprechende Informationen hat. Auf jeden Fall werden die Schüler zum Nachdenken animiert. Diese Widersprüche können folgende Gründe haben:

1. Fehlerhafte Informationen
Die Fehler können - wie die folgende Grafik zeigt - wissentlich oder unwissentlich entstehen (vgl. Stöcklin 2010, S. 85).
2. Fehlendes Expertenwissen
„Der Hauptnachteil digitaler Lexika ist freilich, dass Themen, die Expertenwissen benötigen oder gar umstrittene wissenschaftliche oder politische Diskussionsstände darstellen sollen, in keiner Weise verlässlich sind. Das liegt nicht am bösen Willen der Autoren. Und es liegt auch nur zum Teil an der Anonymität der Autorschaft (die ist in Lexika gar nichts Revolutionäres). Es ist schlicht für Laien nicht möglich, hier angemessene Beiträge zu formulieren“ (Philosophieprofessorin Petra Gehring auf die Frage nach Nachteilen digitaler Lexika).
3. Mangelnde Aktualität und der Fluss der Inhalte
Viele Informationen in Wikipedia sind aktuell. Jedoch besteht bei Nischenthemen die Gefahr, dass die Informationen veraltet sind. Die Versionsgeschichte der Wikis gibt Auskunft darüber, wann und an welchen Stellen die letzte Überarbeitung stattfand. Um nicht in die Falle der mangelnden Aktualität von Wikis zu tappen, ist es ratsam, sich beim Zitieren von Inhalten direkt auf eine Version mit Datums- oder Zeitangaben zu beziehen, da diese meistens stabil sind und sich nicht ändern (vgl. Stöcklin 2010, S. 105 ff.).

4. Manipulation und Vandalismus
„Für uns Konsumenten ist es nicht einfach, Manipulationen zu entdecken. Letztlich können alle Medien manipuliert werden. Die Wikipedia ist eine besonders beliebte Zielscheibe. Ihre Inhalte werden erstens häufig gelesen, und sie können zweitens einfach geändert werden“ (Stöcklin 2010, S. 92).
Genau wie bei dem Problem der fehlerhaften Informationen handelt es sich auch hier um Falschaussagen. Der Unterschied ist nur, dass der Leser hier bewusst manipuliert werden soll.

5. Neutraler Standpunkt und mangelnde Objektivität
„Der Neutrale Standpunkt (neutrale Sichtweise; engl. Neutral Point Of View, kurz NPOV) ist eines der vier unveränderlichen Grundprinzipien der Wikipedia. Der Neutrale Standpunkt dient dazu, Themen sachlich darzustellen und den persönlichen Standpunkt des Wikipedia-Autors aus Wikipedia-Artikeln herauszuhalten. Um das zu gewährleisten, werden Artikel quellenbasiert, im Gesamten ausgewogen und möglichst objektiv verfasst [...]. Die Einhaltung des Neutralen Standpunkts gilt als Voraussetzung eines guten Wikipedia-Artikels“ (Wikipedia - neutraler Standpunkt).
Auf unsere Unterrichtseinheit bezogen muss man diese Punkte natürlich ein wenig relativieren. Fehler können sich überall einschleichen, die Aktualität ist vor allem bei präsenten Themen und dem immer schneller werdenden Fluss der Informationen ein generelles Problem und die Themen, welche die Schüler bearbeiten, sind in der Regel nicht so komplex, dass unbedingt Fachwissen von Experten nötig ist, um sicherzustellen, dass die Informationen korrekt sind.

Auf jeden Fall stehen die Schüler nun vor dem Problem – unter der Voraussetzung, dass sich die gefundenen Informationen widersprechen –, wie sie die verschiedenen Recherche-Ergebnisse für ihre Präsentation in Einklang bringen. Sie könnten die verschiedenen inhaltlichen Ergebnisse zu einem Thema gegenüberstellen oder am Ende ihrer Präsentation zu einer Diskussion anregen. Sollte die eine oder andere Gruppe, oder im „Extremfall“ alle Gruppen, keine Informationen finden, die es nötig machen, den Wikipedia-Artikel auf seine Korrektheit und Aktualität hin zu überprüfen, ist dies zwar nicht optimal zum Erreichen der oben genannten Lernziele, jedoch ist es auch kein Punkt, der die geplante Unterrichtseinheit zunichte macht.

Die Gruppen präsentieren der Klasse nun ihre Ergebnisse. Anschließend wird – wie häufig bei einer Präsentation – reflektiert, was sowohl inhaltlich als auch beim Vortragen gelungen ist und an welchen Stellen noch Verbesserungsbedarf besteht. Haben alle Gruppen präsentiert, folgt Teil zwei der Gruppenarbeit. 

Teil 2:
Hier erfolgt nun der Rückblick auf das Erarbeiten des Themas und das Recherchieren. Das Reflektieren soll dazu dienen, um zu erkennen, dass man den Inhalt von Wikipedia und auch von anderen Quellen immer kritisch hinterfragen sollte. Außerdem soll die Erkenntnis gewonnen werden, dass Wikipedia als Einstiegsquelle in ein Thema geeignet ist, man aber für die vertiefende Suche weitere Quellen hinzuziehen sollte. Hierfür bekommt jede Gruppe einen Fragenkatalog, der ihnen helfen soll, ihre Gruppenarbeit zu reflektieren, und an dem sich die Schüler orientieren sollten. Dabei notiert jede Gruppe ihre Erkenntnisse auf einem Plakat und präsentiert diese der Klasse. Die Plakate werden dann mit Magneten vorläufig an der Tafel befestigt, damit sie während der kompletten Ergebnisbesprechung sichtbar sind.

Folgende Aspekte sollte man bei dem Erstellen der Fragen beachten (Woran erkennt man einen guten Wikipedia-Artikel?):
  • Stil und Sachlichkeit
  • Neutralität
  • Glaubwürdigkeit
  • Quellennachweise
  • Aufbau/Struktur
  • Entstehung eines Artikels
Weitere Denkanstöße und Orientierungshilfen für Lehrer, um einen solchen Fragenkatalog zu erstellen, finden sie hier:
Vor- und Nachteile eines Wikis (1)
Vor- und Nachteile eines Wikis (2)
Nando Stöcklin: Wikipedia clever nutzen

Als weiteren Arbeitsauftrag neben der Reflexion der Recherche bietet es sich an, den Schülern eine Art „Überprüfungshilfe“ für Wikipedia-Artikel an die Hand zu geben.
Denn „Wikipedia-Artikel haben unterschiedliche Qualität. Versionsgeschichte, Diskussionsseiten etc. helfen aber, die Verlässlichkeit eines Artikels einzuschätzen. Der kostenlose Dienst Wikibu für die deutschsprachige Wikipedia bietet dabei Unterstützung. Wikibu analysiert die Artikel automatisch anhand mehrerer Kriterien und liefert Anhaltspunkte zur weiteren Überprüfung durch die Nutzenden der Wikipedia. Wikibu ist speziell für den Einsatz in den Schulen gedacht und soll die kompetente Nutzung der Wikipedia als Teil der Informationskompetenz fördern."
Zudem finden sich auf Wikibu viele weitere Vorschläge und Anregungen, wie man Wikibu sinnvoll in den Unterricht einbinden kann.

Ein weiterer Anbieter, mit dem man die Qualität von Wikipedia überprüfen kann, ist Wiki-Watch. Dieser Anbieter ist jedoch im Gegensatz zu Wikibu nicht speziell für den Einsatz in Schulen entwickelt worden und bietet neben der Einstufung von Artikeln bezüglich ihrer Qualität weitere Dienste an. Hier finden sich bspw. Nutzungsstatistiken, Richtlinien und Grundprinzipien von Wikipedia, und man kann sich informieren, wenn man bei Wikipedia mitmachen möchte.

Für den Schulunterricht bietet sich jedoch Wikibu an, da es eigens hierfür entwickelt wurde. Die Startseite ist ähnlich wie diejenige von Google, was die Anwendung für die Schüler einfacher machen dürfte, da Google den meisten vertraut ist. Außerdem bietet Wikibu eine detaillierte Bewertung der Artikel, die dem Niveau der Schüler entspricht. Zusätzlich sind Verlinkungen zu Autoren, Versionsgeschichte und zur Diskussionsseite vorhanden. Hier ein Beispiel zu einem Artikel über die Deutsche Wiedervereinigung.

Neben diesen beiden Kontrollwerkzeugen gibt es noch eine weitere Möglichkeit der Qualitätsprüfung der Artikel. Die sogenannten Wikipedia Bewertungsbausteine. Mit deren Hilfe kann man ebenfalls die Qualität eines Artikels einschätzen. An ihnen lässt sich erkennen, ob ein Artikel einen Mangel oder Schwachstellen aufweist, ob er sachlich und neutral geschrieben ist oder ob er besonders lesenswert ist.

Auf der Basis all dieser Kriterien und Hilfsmitteln zur Überprüfung von Wikipedia-Artikeln könnte ein Arbeitsblatt für die Schüler folgendermaßen aussehen:


Der Umfang und das Niveau der Fragen können variieren und müssen an die Klasse angepasst werden. Es notiert nun jede Gruppe ihre Erkenntnisse auf einem Plakat und präsentiert diese der Klasse. Die Plakate werden dann mit Magneten vorläufig an der Tafel befestigt, damit sie während der kompletten Ergebnisbesprechung sichtbar sind. 

Teil 3:
Nun geht es darum, das bis hierhin Erarbeitete anhand von Regeln bzw. einem Leitfaden für den Umgang mit Wikipedia festzuhalten. Dies erfolgt nun in Form eines Posters, das im Klassenzimmer aufgehängt wird, und jeder Schüler erhält zusätzlich eine Regelliste oder einen „Wikipedia-Führerschein“, wo er nachschauen kann, wenn er nicht in der Schule ist. Folgender Leitfaden könnte als Orientierung oder Vorlage für solch ein Regelwerk dienen: Leitfaden für den Umgang mit Wikipedia.

Die Erarbeitung des Führerscheins erfolgt nun gemeinsam an der Tafel. Der Lehrer hängt dafür den leeren Wikipedia-Führerschein als Poster mit den drei wichtigsten Punkten, die man beim Umgang mit Wikipedia beachten sollte, an die Tafel. Jeder Schüler erhält diesen Blanko-Führerschein im Din-A4 Format. Anhand dieser Vorlage wird nun gemeinsam erarbeitet, was alles in den Führerschein kommt. Der Lehrer notiert die Beiträge der Schüler auf dem Poster an der Tafel und die Schüler tragen diese auf ihrem eigenen Führerschein ein.


Für solch eine Unterrichtseinheit sollte man mehrere Wochen einplanen. Im Normalfall stehen bei Klassenstufe 8 – 10 für das Fach Gemeinschaftskunde/Politik nicht mehr als eine Doppelstunde (= 90 Minuten) pro Woche auf dem Stundenplan. Hier hat man im Vergleich zu anderen Fächern wie Mathe, die mehrmals in der Woche unterrichtet werden, das Problem, dass die Stunden immer eine Woche auseinanderliegen. Das heißt, die Schüler müssen sich quasi jede Stunde neu in ihr Thema einarbeiten, was natürlich eine Menge Zeit kostet.

Die zeitliche Gliederung für solch eine Unterrichtsskizze könnte wie folgt aussehen:
  • Teil 1: Erarbeitung des Themas und Präsentation; ca. 3,5 Doppelstunden (= 315 Minuten)
  • Teil 2: Reflexion der Recherche-Arbeit und Präsentation; ca. 2 Doppelstunden (= 180 Minuten)
  • Teil 3: Erstellen der Regelliste; ca. 2 Doppelstunden (= 180 Minuten)
Es macht durchaus Sinn, den Zeitrahmen etwas großzügiger zu gestalten, denn die Recherche-Arbeit soll ja effektiv und vertiefend sein und nicht nur oberflächlich. Rechnet man noch eine Schulstunde (= 45 Minuten) als Puffer mit ein, kommt man auf 8 Doppelstunden, die man für diese Unterrichtseinheit benötigt. In der Regel sind es sechs oder sieben Unterrichtswochen zwischen den Ferien. Bei dieser Gliederung ist es also gar nicht möglich, dieses „Projekt“ am Stück und ohne große zeitliche Unterbrechung durchzuführen. Es handelt sich jedoch um ein ausführliches und wichtiges Thema, dem man durchaus etwas mehr Zeit einräumen sollte, da Wikipedia als Informationsquelle immer wichtiger wird und die Schüler deshalb auf diese Art des Lernens vorbereitet werden sollten.


Literaturverzeichnis:

Grogg Nadja/Luber Sarah/Schreiner Annina: Vor- und Nachteile eines Wikis – http://www.learning-in-activity.com/index.php?title=Vor-_und_Nachteile_eines_Wikis

Grogg Nadja/Luber Sarah/Schreiner Annina: Vor- und Nachteile eines Wikis – http://www.learning-in-activity.com/images/6/6d/Praes11.pdf

JIM-Studie 2011. Jugend, Information, (Multi-)Media – http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf11/JIM2011.pdf

Klicksafe.de. EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz: Wie setzt man Wikipedia im Unterricht ein? – http://www.klicksafe.de/themen/suchen-recherchieren/wikipedia/wie-setzt-man-wikipedia-im-unterricht-ein/

Klicksafe.de. EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz: Wie setzt man Wikipedia im Unterricht ein? – http://www.klicksafe.de/themen/suchen-recherchieren/wikipedia/woran-erkennt-man-einen-guten-wikipedia-artikel/

Leitfaden für den Umgang mit Wikipedia - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0b/Leitfaden_für_den_Umgang_mit_Wikipedia.pdf

Menke Birger: Für Lehrer ist Wikipedia ein rotes Tuch. In: Spiegel Online (2009) – http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/lexikonmacher-auf-schultournee-fuer-lehrer-ist-wikipedia-ein-rotes-tuch-a-615029.html

Prüwer Tobias: Ich rate meinen Studierenden ab. In: Wikipedia: Ein kritischer Standpunkt (2010) – http://www.cpov.de/?p=365

Stöcklin Nando (2010): Wikipedia clever nutzen – in Schule und Beruf. Zürich Verlag: Orell Füssli

Wikibu – http://wikibu.ch/

Wikipedia-Gründer erhält den Gottfried-Duttweiler-Preis. In: SF VideoPortal (2011) –
http://www.videoportal.sf.tv/video?id=05c68b6a-790a-487f-b90b-2342cca300b1
 
Wikipedia: Bewertungsbausteine – http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Bewertungsbausteine

Wikipedia: Neutraler Standpunkt – http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:N

Wiki-Watch – http://www.wiki-watch.de

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Unterrichtsmaterial zu Medienkompetenz von Microsoft

Gestern haben wir an dieser Stelle das neue Jugendschutz-Center von Google vorgestellt. Damit wandelt der Internetriese auf den Spuren von Microsoft, denn Microsoft stellt schon seit einiger Zeit Materialien zur Schulung von Medienkompetenz und zur Erhöhung der Sicherheit beim Surfen zur Verfügung. Gebündelt finden sich die Unterrichtsmaterialien auf der Microsoft-Website "Sicherheit macht Schule". Nach drei Alterstufen untergliedert erhält man komplette Unterrichtseinheiten inklusive der notwendigen Materialien - ein empfehlenswertes Angebot. Direkt zu den Unterrichtsideen geht es hier...


Mittwoch, 3. Oktober 2012

Google Jugendschutz-Center

Der offizielle Google Produkt-Blog hat letzte Woche gemeldet, dass mit dem Jugendschutz-Center ein neues Angebot gestartet wurde, das media literacy und sicheres Surfen von Kindern unterstützt:
"Um die schwierigsten Fragen zu beantworten, mit denen Eltern in der Online Welt konfrontiert werden - beispielsweise wenn Kinder mit unangemessenen Inhalten in Berührung kommen oder sich Fremde mit ihnen in Kontakt setzen - haben wir Experten um Unterstützung gebeten, die sie am besten beantworten können: Organisationen, die sich für den Jugendschutz und die Internetaufklärung von Kindern und Jugendlichen seit vielen Jahren einsetzen. Darunter sind Deutschland sicher im Netz, fragFINN, FSM, Klicksafe und der Nummer gegen Kummer" (aus dem Posting "Sicher online mit dem Jugendschutz-Center" des offiziellen Google Produkt-Blogs).